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Wie seriös ist die Graphologie?

Bis in die 1970er Jahre wurden Kinder spätestens mit der Einschulung gezwungen, die rechte Hand zum Schreiben zu benutzen. Heute lässt man Linkshänder mit der linken Hand schreiben.

Warum einige Menschen die linke, andere die rechte Hand bevorzugen, ist noch nicht umfassend geklärt, auch nicht, welche Rolle die Lateralität (Bevorzugung einer Hand) des Gehirns dabei spielt. Einige Psychologen gehen soweit anzunehmen, dass die Dominanz einer Hand mit der Persönlichkeit zusammenhängt. Das entspricht etwa der Logik, dass dicke Menschen gesellig sind oder man aus der Handschrift eines Menschen Rückschlüsse auf dessen Ehrgeiz oder Durchsetzungsvermögen ziehen könne.

Die Idee, aus den äußeren Merkmalen eines Menschen auf seine Psyche zu schließen, ist nicht neu. Johann Caspar Lavater beispielsweise veröffentlichte im 18. Jahrhundert seine Annahmen dazu, wie der Charakter eines Menschen anhand von Gesichtszügen und Körperformen zu erkennen sei. Im Zuge dieser  „Physiognomik“ genannten Strömung entwickelte sich auch die Graphologie weiter. Lavater stand im Austausch zu Johann Wolfgang von Goethe, der sich eine recht umfangreiche Sammlung an Handschriften zugelegt hatte. Er war kein Graphologe, interessierte sich aber offenbar für die Handschrift.

Die Verlockung, aus der körperlichen Gestalt oder der Handschrift auf das Wesen eines Menschen zu schließen, ist auch heute noch groß. Denn Stereotype machen das Leben leichter. Der Brillenträger wird als intellektuell abgestempelt und wer eine schnörkelige Handschrift hat, hat kein Zeug zur Führungskraft. Metaanalysen zeigen, dass sich solche Schlüsse nicht ziehen lassen. Die Handschrift hat nichts mit der Persönlichkeit zu tun. Dass bei einigen Studien zum Zusammenhang zwischen der Handschrift und Persönlichkeit keine komplette Nullkorrelation herausgekommen ist, liegt einzig und allein daran, dass wir Menschen gerne Dinge in andere hineindeuten. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist der „Barnum“- oder „Forer-Effekt“:  Im Jahr 1948 gab Bertram R. Forer, ein US-amerikanischer Psychologe, seinen Studierenden einen Persönlichkeitstest vor und händigte ihnen anschließend ihre zugehörigen Testauswertungen aus. Die Frage, ob sie sich in ihrem Testergebnis wiedererkannten und die Beschreibung ihrer Persönlichkeit für zutreffend hielten, bejahten sie. Der Clou aber war, dass Forer allen Teilnehmern denselben Text gegeben hatte. Bei diesem Text handelte es sich aber nicht um eine Testauswertung. Forer hatte den Text vorher eigenhändig aus Horoskopen zusammengestückelt. Der "Forer-Effekt" zeigt, dass Menschen dazu neigen, sich in vagen Aussagen wiederzuerkennen. So funktionieren Horoskope! 

Statistische Zusammenhänge sprechen der Deutung der Handschrift, der Graphologie, klar ihren diagnostischen Nutzen ab. Tatsächlich korreliert die Handschrift kaum mit irgendwelchen Eigenschaften einer Person. Die Graphologie gehört deswegen nicht zu den wissenschaftlich fundierten psychologischen Verfahren. Graphologische Gutachten sind weder objektiv auswertbar noch valide. Trotzdem liest man auf der Homepage des Bundesverbands Deutscher Graphologen: „Jede Handschrift ist ein Spiegel der Persönlichkeit“. Und es handele sich bei der Graphologie um eine „Ausdruckswissenschaft“ und nicht etwa um „Esoterik“.

Tatsächlich gibt es in Deutschland immer noch Unternehmen, die bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter auf graphologische Gutachten setzen. 

Richtig ist, dass bestimmte Handlungen oder einfacher noch, Verhaltensweisen, hilfreich sind, um Rückschlüsse auf die Persönlichkeit eines Menschen zu ziehen. Wer viel redet, sich gerne mit anderen Menschen umgibt, gilt gemeinhin als extravertiert. Richtig ist auch, dass bestimmte innere Vorgänge auf die Handschrift Einfluss nehmen. Die Handschrift von Parkinson-Patienten ist so ein Beispiel. Aber deswegen gleich aus der Handschrift Intelligenz, Entwicklungsrückstände, Ehrlichkeit, Ausdauer, Führungsfähigkeit und Urteilsvermögen ableiten? Warum kommt dann eigentlich niemand auf die Idee, Menschen in ihrer Persönlichkeit anhand der Augenfarbe zu bewerten?

Personalauswahl und Personalentwicklung sollten objektiv, verlässlich und valide sein. Die Graphologie erfüllt keines dieser Kriterien, auch wenn es so schön einfach wäre zu sagen: Schreibe mir Deinen Lebenslauf handschriftlich und ich sage Dir, was für ein Mensch Du bist. Abschließend sei noch eines angemerkt: Die Handschrift einer guten Führungskraft ist laut Graphologie-Experten gradlinig und ohne viele Schnörkel – wer hätte das gedacht. 

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